PM5 – Manifest der Besetzer*innen

Besetzungsmanifest der Besetzer*innen des ISW (als pdf)

Was wir tun

Wir sind viele und verschieden. Wir organisieren uns selbst und eignen uns hier den Raum an, den wir brauchen. Diesen Raum gestalten wir nach unseren politischen Ansprüchen und Bedürfnissen. Das heißt, wir üben Herrschaftskritik, überlegen uns alternative Lebensmodelle und arbeiten daran, Diskriminierung und Hierarchien abzubauen. Das heißt auch, dass wir unsere Widersprüche anerkennen und leben. In diesem Raum bilden wir uns gegenseitig und lernen von einander. Wir formen eine Gemeinschaft, die nicht nur ihre Bildung, sondern auch ihren Alltag selbständig organisiert. Hier diskutieren wir, kochen, feiern, putzen und machen Kunst. Wir vertrauen einander und unterstützen uns gegenseitig. Wir leisten Widerstand. Wir sind politisch.

Was wir wollen

Wir wollen die Ökonomisierung von Forschung und Lehre stoppen. Wir wollen kritische Lehre und Forschung ermöglichen, militärische, diskriminierende und menschenfeindliche Lehrinhalte abschaffen.

Wir wollen existenzsichernde Lebensgrundlagen statt prekärer Beschäftigungsverhältnisse.

Wir wollen eine Wohnungspolitik im Interesse der Mieter*innen, nicht im Interesse der Investor*innen.

Wir wollen Selbstorganisation des städtischen Lebensraums durch die Bewohner*innen der Stadt.

Wir wollen eine Öffnung der Unversität und aller Bildungseinrichtung für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Status, Gender, ökonomische Situtation oder Qualifikation.

Wir wollen Bildungsinstitute, die allen Menschen die Möglichkeit geben einen Raum des gleichberechtigten Lernen und Lehrens zu schaffen.

Wir wollen eine gleichberechtigte Gesellschaft frei von fremdbestimmten Herrschafts- & Besitzverhältnissen.

Was wir fordern

Wir fordern euch, unsere Mitmenschen, dazu auf, euch an der Gestaltung unseres Raumes zu beteiligen und/oder euch eigene Räume der Selbstorganisation anzueignen!

Wir fordern euch, unsere Mitmenschen, dazu auf, euch gegen die autoritäre und neoliberale Bau- und Mietenpolitik dieser Stadt zu wehren!

Wir laden die Angestellten des Instituts und der Hochschule in unsere besetzten Räume ein, um sich mit uns bei Kaffee und Kuchen auszutauschen. Bringt Kuchen mit, wir haben keinen Backofen!

Wir rufen die Gewerkschaften dazu auf, sich unserer Forderung #holmbleibt anzuschließen!

Wir fordern die Mieter*inneninitiativen auf, gemeinsam mit uns den stadtpolitischen Kampf gegen Gentrifizierung und für ein Recht auf Stadt auszutragen!

Wir fordern unsere Kommiliton*innen auf, sich unserem politischen Protest anzuschließen und bei der Besetzung mitzumachen!

Wir fordern von der Universitätspräsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin die sofortige Rücknahme der Kündigung Andrej Holms!

Wir fordern vom Berliner Senat die vollständige Ausfinanzierung der Berliner Hochschulen durch das Land Berlin anstatt eines „leistungsbasierten Hochschulfinanzierungssystems“ gem. §1 der jeweiligen Hochschulverträge und wie im Koalitionsvertrag weiterhin vorgesehen.Wir fordern vom Institut für Sozialwissenschaften mindestens 10 Projekttutorien pro Semester á 4 Semesterwochenstunden, die von der studentischen Fachschaft verwaltet werden!

Wir fordern als ersten Schritt gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse den Berliner Senat und Hochschulleitung auf, Dauerverträge für Daueraufgaben einzurichten!

Wir fordern von der Universitätsleitung die langfristige Bereitstellung eines selbstverwalteten Wohnheims für Studierende sowie dauerhafte Räumlichkeiten zur studentischen Selbstorganisierung und emanzipatorischen Vernetzung auf dem Campus Mitte!

Wir fordern vom Berliner Senat, Leerstand zu enteignen, sozialen Wohnungsbau zu (re-)kommunalisieren, eine Mietobergrenze für sozialen Wohnungsbau von max. 6,50€/qm einzuführen sowie die juristischen Lücken der Mietpreisbremse zu schließen!

Die Besetzer*innen des Instituts für Sozialwissenschaften der HU Berlin (#iswbesetzt)

Berlin, 24.01.2017

Manifest als pdf hier.

Offener Brief an HU-Präsidentin Sabine Kunst

Als pdf: OFFENER_BRIEF_SABINE_KUNST_HOLM_BLEIBT.pdf
English version here.

Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst
Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Berlin, den 22.01.2017

Revision der Entlassung von Dr. Andrej Holm

Sehr geehrte Frau Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst,

als Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) wurde Ihnen die Berurteilung des von Herrn Dr. Andrej Holm im Jahr 2005 beantworteten Fragebogens zur Überprüfung von Mitarbeiter_innen bezüglich ihrer politischen Vergangenheit in der DDR übertragen. Auch die letztendliche Entscheidung über daraus möglicherweise zu ziehende personalrechtliche Konsequenzen lag bei Ihnen. Am 18.01.2017 verkündeten Sie öffentlich die Entscheidung des Präsidiums, Dr. Andrej Holm, den wissenschaftlichen Mitarbeiter am Lehrbereich Stadt- und Regionalsoziologie des Instituts für Sozialwissenschaften (ISW) der HU, zu entlassen.

Ihre Entscheidung begründen Sie mit dem Vorwurf einer „arglistigen Täuschung“. Diese besteht laut Ihrer Aussage aus divergierenden Angaben in den Lebensläufen von 2005 bzw. 2011 und 2017, die der HU vorgelegt wurden. Außerdem verweisen Sie auf die Stasi-Unterlagen und das taz-Interview von 2007.

In Ihrer Argumentation können Sie aber nicht zweifelsfrei widerlegen, dass sich Andrej Holms divergierende Angaben aus fehlenden Informationen über den offiziellen Status von Offiziersschülern erklären.

Tatsächlich lassen sich die Unterschiede in den Lebensläufen stimmig dadurch erklären, dass sein Bewusstsein darüber, dass er als Hauptamtlicher geführt wurde, aus Holms Einsicht in seine Stasi-Unterlagen resultiert, die er erst im Zuge seiner Berufung zum Staatssekretär genommen hat. Andrej Holm dennoch vorzuwerfen, sich nicht von dieser durchaus realistischen Darstellung distanziert zu haben, ist daher ebenso unverständlich wie Ihre Schlussfolgerung falsch, daraus folge zwingend die personalrechtliche Notwendigkeit einer Kündigung.

Zudem begründen Sie die Notwendigkeit Ihrer Entscheidung mit dem potentiellen Verlust der Integrität der HU. Sie entschieden sich gegen eine Weiterbeschäftigung, weil sie diese nicht ausreichend gegenüber einer möglichen Kritik hätten verteidigen können. Dabei wäre die Integrität der HU jedoch nur dann gefährdet, wenn es für seine Weiterbeschäftigung keine überzeugende Begründung gebe. Dies trifft aber im Fall von Dr. Andrej Holm nicht zu. Die Universität hätte ohne Weiteres glaubhaft darstellen können, wieso sie von einer Kündgung abgesehen hat:

– Andrej ist schon früher offen mit seiner Stasi-Vergangenheit umgegangen
– Das Vertrauensverhältnis, welches sich durch seine exzellente Arbeit aufgebaut hat, ist nicht so weit geschwächt, dass eine Kündigung unumgänglich wäre
– Laut Ihrer eigenen Aussage hätte eine hauptamtliche Tätigkeit seine Einstellung im Jahr 2005 nicht verhindert
– Weite Teile seines Arbeitsumfeldes sprechen ihm weiterhin ihr Vertrauen aus.

Ich fordere Sie deshalb dazu auf, Ihre Entscheidung, Andrej Holms Arbeitsverhältnis mit der HU zu kündigen, zu revidieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Die Besetzer*innen von #iswbesetzt
Stadtpolitisches »Hearing« – Mieter*innen- und Stadtteilinitiativen besprechen die Koalitionswilligen
AStA TU
UBI KLiZ e.V.
Stadt von Unten
Fachschaftsrat Sozialwissenschaften HU Berlin

Unterstützung des offenen Briefs an Frau Kunst bitte an:
univonunten@riseup.net
Der offene Brief als pdf: OFFENER_BRIEF_SABINE_KUNST_HOLM_BLEIBT.pdf

PM4 – Veranstaltungen und PK

Am 23.01.2017 veröffentlichen die Besetzer*innen eine Pressemitteilung zum Stand der Besetzung und kündigen eine Pressekonferenz am Dienstag um 11:00 Uhr an [1].


Mitteilung der Besetzer*innen
Seit fünf Tagen besetzen 150 Studierenden und Sympathisant*innen die Räume
des Instituts für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität. Anlass ist die Entlassung des Wissenschaftlers Andrej Holm. Seit
Donnerstagmorgen finden am besetzten Institut zahlreiche Alternativen zu Vorlesungen und Seminaren statt. Beispielsweise Veranstaltungen zu sozialem Wohnungsbau, politischer Partiziption und DDR-Aufarbeitung [2]. „PM4 – Veranstaltungen und PK“ weiterlesen

PM3 – „Bis auf weiteres besetzt“

HU Besetzung Stellungnahme Nr. 3, 19. Januar 2017, zur sofortigen VÖ
Das Institut fürr Sozialwissenschaften (ISW) der Humboldt-Universität zu Berlin bleibt bis auf Weiteres besetzt. Hunderte Studierende, Angehörige des Instituts und Unterstützer*innen protestieren damit gegen die Entlassung von Andrej Holm durch HU-Präsidentin Sabine Kunst (SPD). Die Besetzer*innen verabschieden folgende Stellungnahme: „PM3 – „Bis auf weiteres besetzt““ weiterlesen

PM2 – HOLM BLEIBT

Am 19. Januar geben die Besetzer*innen folgende vorläufige Erklärung heraus:


Erklärung der Besetzer*innen des Instituts für Sozialwissenschaften

Das Institut für Sozialwissenschaften (ISW) der HU Berlin bleibt zunächst bis Freitag besetzt. Über das darüber hinausgehende Vorgehen entscheidet die Vollversammlung der Besetzer*innen. Es finden heute (19.01) und morgen keine Lehrveranstaltungen am ISW statt. Stattdessen wird an den beiden Tagen in Selbstorganisation ein Programm aus Workshops und Vorträgen angeboten. Die Besetzer*innen behalten ihre Forderung bei: Eine Revision der Entscheidung des Präsidiums, Andrej Holm zu „PM2 – HOLM BLEIBT“ weiterlesen

PM1 – ISW BESETZT! HOLM BLEIBT!

Unsere erste PM nach der Besetzung.


https://twitter.com/holmbleibt
„Holm muss gehen? Wir bleiben hier!
Heute haben wir, die Studierendeninitiative „Uni von Unten“, das Institut für Sozialwissenschaften besetzt. Dies ist unsere Antwort auf die politische Entscheidung, den kritischen Sozialwissenschaftler und Dozenten Andrej Holm zu entlassen.
Mit seiner Entscheidung setzt sich das Präsidium über die Wünsche eines Großteils der Studierenden hinweg. Die Mehrheit der Studierenden schätzt Andrej Holms Beiträge in Lehre und Forschung: Kritische Forschung, die sich nicht scheut, aktiv stadtpolitische Missstände anzusprechen und aktiv zu werden, ist genauso Andrejs Markenzeichen wie eine innovative, spannende und engagierte Lehre.

„PM1 – ISW BESETZT! HOLM BLEIBT!“ weiterlesen