PM 8 – Besetzung bleibt bestehen bis Forderungen erfüllt sind, „Uni von unten“ geht weiter

P R E S S E M I T T E I L U N G – aus dem besetzten Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität (#iswbesetzt)

Berlin, den 1. Februar 2017. Zur sofortigen VÖ. Als pdf hier.

ISW: Besetzung bleibt bestehen bis Forderungen erfüllt sind, „Uni von unten“ geht weiter

Die Stimmung am besetzten Insitut für Sozialwissenschaften (ISW) der HU Berlin ist weiterhin gut. Die Studierenden im besetzten Institut erklärten am heutigen Mittwoch, dass die Besetzung aufrecht erhalten wird, bis die Forderungen an Politik und Hochschule erfüllt sind. Über die Aufnahme von Verhandlungen will die Vollversammlung in den nächsten Tagen entscheiden. Insbesondere die von Präsidentin Kunst in ihrem offenen Brief vom 31.01. [1] geforderte Beendigung der Besetzung als Voraussetzung für Verhandlungen lehnen die Besetzer*innen aber ab.

„Frau Kunst hat sage und schreibe zwei Wochen gebraucht, um sich inhaltlich zur Besetzung des ISW zu äußern. Wir begrüßen, dass sie verstanden hat, dass sie diesen Konflikt nicht aussitzen kann und fordern Sie auf, konkrete Vorschläge für Umsetzung der Forderungen einzubringen. Anders als Frau Kunst behauptet, liegen viele der Forderungen sehr wohl in ihrer Zuständigkeit. Bis diese Forderungen umgesetzt sind, bleibt die Besetzung bestehen“ sagte Besetzerin Louisa. „Frau Kunst setzt für den Beginn von Verhandlungen voraus, dass die Besetzung abgebrochen wird. Wir setzen für den Beginn von Verhandlungen voraus, dass die Besetzung weiterhin besteht und dass Frau Kunst sich explizit an uns richtet“ so die Aktivistin weiter.

Großer Rückhalt bei Studierenden und Institut, rege Beteiligung an Besetzung und „Uni von unten“

Die Besetzer*innen machten darauf aufmerksam, dass die Besetzung breiten Rückhalt bei den Studierenden und im Institut genießt. Dies wird durch die enorme Beteiligung am Programm der „Uni von unten“ sowie an der Demonstration am vergangenen Samstag mit über 1500 Menschen [2] deutlich. „Wir haben in den vergangenen zwei Wochen über hundert inhaltliche, teils hochkarätig besetzte, Veranstaltungen im Institut angeboten, rund 4000 Menschen haben diese Veranstaltungen besucht“, erklärt ein Mitglied der Programmgruppe. Auch Dozierende des Instituts sind solidarisch und haben Beiträge zum Programm geliefert. Studierende bieten u.a. Workshops zur Klausurvorbereitung „von Studis für Studis“ an. „Das Argument, wir würden den Lehrbetrieb behindern, ist das denkbar schlechteste, mit dem die Präsidentin uns diskreditieren und unter Druck setzen will“, hieß es weiter. Am Donnerstag soll es darüber hinaus ein Vernetzungstreffen von und mit dem akademischen Mittelbau geben, bei dem es um Strategien gegen die bevorstehenden Kürzungen gehen soll [3].

Kunst wälzt Personalentscheidungen auf Gerichte ab

Die Studierenden kritisieren weiterhin die Natur der Entscheidung: „Die Präsidentin steht in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Regierenden Bürgermeister und Wissenschaftssenator Müller. Ihre Einschätzung kann nach dessen öffentlicher Rücktrittsforderung nicht mehr als objektiv angenommen werden“ heißt es aus dem Kreis der Besetzer*innen. Mit der Kündigung durch vorgeschobene arbeitsrechtliche Begründungen ginge sie SPD-internen und hochschulpolitischen Konflikten aus dem Weg indem sie Personalentscheidungen auf Gerichte abwälze.

Zuletzt hatten die beiden Rechtsanwälte Hopmann und Niemerg die Kündigung Holms durch HU-Präsidentin Kunst in einer ausführlichen rechtlichen Würdigung als arbeitsrechtlich unhaltbar eingestuft [4]. In Ihrer Einschätzung des Falls heißt es zusammenfassend „Die Präsidentin wird im Prozess vor der Arbeitsgerichtsbarkeit verlieren“ und „Die Präsidentin der HU hätte nicht nur anders entscheiden können, sie hätte auch anders entscheiden müssen. Sie nimmt in Kauf, dass die Gerichte feststellen werden, dass die Kündigung unwirksam ist, sie also Dr. Holm nicht kündigen durfte. Die Gerichte werden ihr Rechtsbruch bescheinigen.“ Damit schließen sich die Juristen u.a. der Einschätzung des Arbeitsrechtlers Bredereck an [5].

Referenzen:

[1] https://www.hu-berlin.de/de/pr/nachrichten/nr1701/nr_170131_00
[2] http://www.tagesspiegel.de/berlin/demonstration-in-berlin-studenten-gehen-fuer-andrej-holm-auf-die-strasse/19317420.html
[3] http://iswbesetzt.blogsport.eu/2017/01/31/va-02-02-14-uhr-vernetzungstreffen-mit-akademischem-mittelbau-hu/
[4] http://kanzlei72a.de/downloads/Erklaerung.pdf
[5] http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/01/humboldt-universitaet-entscheidung-andrej-holm.html

Alle Forderungen der Besetzer*innen finden Sie unter
http://iswbesetzt.blogsport.eu/das-bestzungsmanifest-der-besetzerinnen/

Das gesamte kommende Programm der „Uni von unten“ ist online einzusehen unter: iswbesetzt.blogsport.eu/programm/

Das Programm wird ständig erweitert.

Kontakt:
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Telefon: 0151 71533879
Email: univonunten@riseup.net

iswbesetzt.blogsport.eufb.com/holmbleibttwitter.com/holmbleibt

Als pdf hier.

Meinung: Essay ‚Die Stasi-Frage oder „Dürfen wir als emanzipatorische Linke einen ehemaligen Stasi-Mitarbeiter verteidigen?“‘

Seit dem Entfachen der Debatte um Andrej Holm ist das Thema „Stasi“ wieder im öffentlichen Diskurs angekommen. Und auch wir als Aktivist_innen und Besetzer_innen, die sich für Andrej Holm und seinen Verbleib an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) engagieren, sind uns der Wichtigkeit der Auseinandersetzung bewusst. Dieser Text versucht mit jener Auseinandersetzung zu beginnen und soll gleichzeitig als Antwort auf die stumpfe Argumentation von Holm-Gegner_innen dienen. Denn mit dem Scheinargument „Aber er war bei der Stasi!“ kommen wir in der Diskussion nicht weiter, lediglich verfestigen sich Fronten. Unser Ansatz als Besetzer_innen ist einer, der Diskussion zulässt, vielmehr sie forciert. Uns geht es um Kritik, um das Hinterfragen von Sachzwängen und Alltäglichkeiten. Und damit soll auch bei der Thematik des Umgangs mit einer Stasi-Vergangenheit Andrej Holms nicht Halt gemacht werden.

Wir besetzen das Institut für Sozialwissenschaften mit der Forderung Andrej Holm dort wieder zu beschäftigen und fühlen uns dadurch im Besonderen verpflichtet uns mit der Konstruktion von ostdeutschen Biografien vertraut zu machen. Denn auch hier lohnt es sich kritisch nachzufragen und die lückenhafte Erzählung wieder in den Fokus zu rücken.

Es muss die Frage gestellt werden dürfen, wie wir uns zur DDR und dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) positionieren. Gleichzeitig sollte auch beachtet werde, dass sich die Besetzung nicht aus einer Verteidigung jenes Staates und seinen Mitteln ergab, sondern aus der universitären Erfahrung mit einem kritischen Wissenschaftler. Dennoch ist uns bewusst, dass dieser Aspekt von Holms Vergangenheit ein nicht zu vernachlässigender ist.

Gleichsam ist zu vermerken, dass die Besetzung nicht den Anspruch hat und haben kann, alle Beteiligten auf einen Nenner zu bringen. Deshalb ist dieser Text als das zu werten, was er ist:: der Versuch der Formulierung von den Gründen einer Aktivistin an der Besetzung des ISW teilzunehmen und die Gedanken, die dieser Entscheidung vorangegangen sind. Auch ist nichts in diesem Text nicht diskutabel; es handelt sich um einen ersten Rundumschlag.

Denn im Gespräch mit Kommiliton_innen kam es immer wieder zu Diskussionen. Auch unsere Generation hat durch die Berichte der ostdeutschen Familien ein Bild von der DDR und einige Personen sprachen von einer direkten Erfahrung mit dem MfS: Eltern, die inhaftiert und abgehört wurden, Versuche von „Republikflucht“ und das Lebensgefühl der Unfreiheit.

Wir, als Besetzer_innen, wollen das nicht kleinreden und sehen unseren Protest nicht als Verteidigung einer Diktatur und eines Überwachungsstaates an. Uns geht es primär um die Entlassung als Dozent, die laut HU-Präsidentin Sabine Kunst (SPD) nicht aus dem Grund der Tätigkeit beim MfS Holms entschieden wurde, sondern wegen falscher Angaben in einem diesbezüglichen Fragebogen der Universitätsleitung. Aber es ist schwierig, die Debatten um studentische Mitbestimmung und eine Demokratisierung der Hochschule von den Umständen des Falles zu trennen.

Dieser Text hat nicht den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit; ich sehe davon ab mit Quellen zu arbeiten und versuche stattdessen prägnante und für mich tragende Gründe aufzuzählen und zu verdeutlichen, die für den Protest gegen die Entlassung Andrej Holms sprechen.

Wir Studierende sind (zumeist) nach 1989 geboren und haben damit einen anderen Zugang zur Debatte um eine DDR-Realität, da wir sie (zumeist) nicht direkt miterlebt haben. Meine persönliche Beschäftigung mit der DDR beschränkte sich bis zum Fall Holm auf die Wiedervereinigung und die sogenannte friedliche Revolution. Hier lässt sich der erste Vorteil des Trubels um die Causa Holm erahnen. Die, die sich für ihn einsetzen, sehen sich in der Position zu erfahren, was die DDR für ihre Bürger_innen und Bewohner_innen bedeutete. So finden sich im Programm der Besetzung immer wieder Veranstaltungen, die sich mit verschiedenen Aspekten einer ostdeutschen Realität, zu DDR-Zeiten und jetzt, beschäftigen.

Diese Veranstaltungen dienen nicht der angetäuschten Auseinandersetzung, die uns legitimiert, denn auch zehn Veranstaltungen können kein Abbild ergeben. Aber sie zeigen, dass unter den Studierenden der Wille vorhanden ist, sich Perspektiven auf die Diktatur geben zu lassen und diese kritisch zu diskutieren. Denn auch wenn wir zu jung erscheinen, können wir bei einigen Aspekten mitreden. Kontinuitäten in der Verschiedenheit von Ost- und Westdeutschland bekommen auch wir zu spüren.

Aber die Auseinandersetzung an sich kann nicht als das schlagende Argument zur Partizipation an jener Besetzung gelten. Sie ist ein notwendiger Faktor, ohne den sich die Besetzung und der Kampf für Andrej Holm delegitimieren würde. Dennoch muss eine aussagekräftige Argumentation weitergehen.

Die Frage, wie eine Person zu einer Überzeugung kommt, ist entscheidend für die Bewertung ebendieser. Und durch die Beschäftigung mit soziologischen Fragestellungen im akademischen Kontext gewinnt eine Theorie von Bedeutung. Sie geht davon aus, dass es keinen determinierten Weg gibt. Sie geht des Weiteren davon aus, dass Menschen dennoch keine völlig freien Entscheidungen treffen (können). Vielmehr entwickeln sich Meinungsansätze und Entscheidungstendenzen durch und über das Umfeld, oder anders gesagt über die Sozialisation.

Durch diese Herangehensweise an den Menschen, kann die Schuld für Entscheidungen nicht vollkommen bei der Person liegen. Um miteinander leben zu können, muss dennoch davon ausgegangen werden, dass der Mensch eine gewisse Entscheidungsfreiheit hat. Denn in den meisten Situationen werden alternative Möglichkeiten aufgezeigt, verschiedene Meinungen bekommen einen Raum.

Dieser Raum wird in einer Diktatur nicht gegeben. Die DDR hatte keine freie Presse, „problematische“ und „antisozialistische“ Personen wurden systematisch überwacht, eingeschüchtert und eingesperrt.

Andrej Holm kommt aus einer Familie, die die DDR unterstützte und selbst beim MfS aktiv war. Es war somit kein Zufall, dass eine Karriere bei ebendiesem Ministerium eine gangbare Zukunft darstellte.

Die Argumentation mit Sozialisationseffekten soll und darf Verhalten nicht entschuldigen. Mit ihr lässt sich dennoch erklären, warum Menschen zu bestimmten Zeitpunkten Entscheidungen treffen, die sie unter anderen Umständen nicht getroffen hätten. Sie darf nicht missbraucht werden und soll Holms Karrierewahl während seiner Jugend nicht vollkommen entschuldigen.

Und auch der Sozialisationseffekt stellt für mich nicht das tragende Argument dar. Denn bisher kann dieser Text als Rechtfertigung von Holm und uns, den Besetzer_innen, gelesen werden. Das ist jedoch nur möglich, wenn die Arbeit, die Andrej Holm aktuell leistet, nicht einbezogen wird.

Hier liegt für mich der Grund für die Legitimität des Protestes. Denn Holm steht in seiner politischen und wissenschaftlichen Arbeit den Prinzipien einer Diktatur konträr gegenüber. Zwar lassen sich Grundsätze, die die DDR für sich beanspruchte, in seiner Arbeit wiederfinden, jedoch liegt nun der Versuch vor, diese auf demokratischem Weg durchzuführen. Jene Grundsätze sind beispielsweise die Auffassung, dass Menschen das Recht auf eine Unterkunft haben oder dass es für den eigenen Werdegang nicht ausschlaggebend sein sollte, wie die Eltern wirtschaftlich gestellt sind.

Holm setzt sich für eine Demokratisierung der Stadt ein, für das Mitspracherecht aller, nicht nur jener, die über das Kapital verfügen, dass es zum Investieren braucht. In der Theorie um ein Recht auf Stadt und eine radikal demokratische Stadt geht es um eine Stadt von unten, um Selbstorganisierung und die Möglichkeit aller, ihre Wünsche mit den anderen Bewohner_innen zu diskutieren und umzusetzen. Es geht um ein Recht auf Stadt, um eine radikale Demokratie, die es schafft, dass die Stadt keinen Ausschluss produziert. Es geht um eine Stadt, die die Möglichkeit eröffnet, dort zu leben, wo du es willst. Das Argument, dass nicht alle Menschen in Mitte leben können, ist absurd, da nicht alle Menschen in Mitte leben wollen. Durch die Beschäftigung und das Einbringen eigener Fähigkeiten und Ideen in Kieze, wird der eigene Kiez das Zentrale und die Mitte der Stadt wird neu definiert.

Dieser Vorschlag klingt utopisch, aber Holm versuchte durch die Umsetzung der Wissenschaft in konkrete realpolitische Forderungen jener Utopie näher zu kommen, wie durch die Zusammenarbeit mit Mieter_inneninitiativen. Diese Initiativen bieten allen Anwohner_innen die Möglichkeit sich für die Belange des Wohnumfeldes einzusetzen. Sie stellen dabei basisdemokratische Gruppen dar, in denen sich alle Menschen engagieren können.

Die inhaltliche Diskussion eines Rechts auf Stadt soll in diesem Essay nur sehr abgekürzt stattfinden, da es zu dieser Thematik wesentlich ausführlichere Texte gibt. Es soll hier nur verdeutlicht werden, dass in der Form der wissenschaftlichen Auseinandersetzung Holms mit dem Thema Stadt deutlich wird, dass Demokratie, als Partizipation aller, im Vordergrund steht.

Und genau diese Forderung nach einer Demokratisierung durchzog auch Holms Lehre. Er versuchte in seinen Seminaren Hierarchien abzubauen und mit den Studierenden auf einer Augenhöhe zu sprechen. Es ging nicht um eine geordnete Disziplin, um der Disziplin willen, sondern um eine gemeinsame Beschäftigung, die davon profitiert, dass alle mit verschiedenen Fähigkeiten und unterschiedlichen Wissensschwerpunkten in das Seminar kommen.

Das sind die Punkte, die mich davon überzeugt haben, dass der Protest für Andrej Holm ein Projekt ist, dass uns allen nutzt. Es geht um einen Kampf um Mitbestimmung, um die Verwirklichung einer radikalen Demokratie in Stadt, Universität und Gesellschaft im Ganzen.

Und dennoch hat der öffentliche Diskurs in Berlin, der hauptsächlich gegen Holm arbeitete, etwas Gutes an sich. Damit soll der letzte Punkt auf der Liste ausformuliert werden. Durch die Affäre wurde das Thema „Überwachung“ wieder präsenter und die Möglichkeit den Diskurs um Freiheit und Überwachung und die Rolle des Staates als Verfechter einer Bespitzelung im angeblichen Dienste der Sicherheit in den Fokus zu rücken tut sich erneut auf. Eine Kritik des Staates und die Erörterung alternativer Modelle zur Organisierung einer Gesellschaft können ein Resultat der Auseinandersetzung sein. Denn die Kritik an der DDR muss nicht in die Lobpreisung der parlamentarischen Demokratie und des Kapitalismus als Lösungen für die dort entstandenen Probleme enden.

Damit endet dieser Text, in dem die Position einer Besetzerin in Bezug auf die Stasi-Vergangenheit Andrej Holms verdeutlicht werden soll. Andrej Holm hat sich in seiner politischen und wissenschaftlichen Praxis von seiner Vergangenheit durch direkte Anwendung basisdemokratischer Prinzipien distanziert. In Solidarität mit ihm, seinem Arbeitskampf, den Kämpfen der Mieter_inneninitiativen und hochschulpolitischen Bewegungen, versuchen wir unsere Position zu verdeutlichen. Wir kämpfen nicht für Unterdrückung und den Wiederaufbau oder die Relativierung einer Diktatur, sondern für eine emanzipatorische, radikal demokratische Gesellschaft, die Gegebenheiten hinterfragt. Wir lassen uns nicht in die Rolle der Verteidigung eines Systems drängen, sondern versuchen durch unsere Besetzung einen Gegenentwurf aufzubauen.

VA 02.02. 14 Uhr: Vernetzungstreffen mit akademischem Mittelbau HU

Solidarische Vertreter*innen des Mittelbaus veranstalten am 02.02. um 14 Uhr ein Verntzungstreffen für alle Mitarbeiter*innen, die sich gegen die Unterfinanzierung der Hochschulen wehren wollen. Hier die Einladung:

Liebe Dozent*innen und Professor*innen,

Haben Sie genug von prekären Arbeitsverhältnissen? Von immer weniger Raum für kritische Wissenschaft und einer chronischen Unterfinanzierung der universitären Lehre? Wir auch! Wir laden Sie daher zu einem Vernetzungstreffen mit dem akademischen Mittelbau zum Thema Hochschulpolitik am 2.2. um 14 Uhr in Raum 004 ein.

Solidarische Grüße!

Kommt zahlreich!

VA 09.02. 20 Uhr: Orgasmusschwierigkeiten & Revolution (VERLEGT AUF 09.02.!!!)

VERLEGT – NEUER TERMIN: 09.02. 20 Uhr

Vortrag von Andrea Trumann am besetzten Insitut für Sozialwissenschaften

Die Bewegungen rund um `68 haben die politische Praxis auf eine neue Ebene gehoben. Erstmals wurde die Kritik der Familie, des autoritären Charakters und der Sexualität zum wesentlichen Teil der Kritik, und das Experimentieren mit neuen Formen des Zusammenlebens ist seither aus radikalen Szenezusammenhängen nicht mehr wegzudenken. Durch den Schwerpunkt der Bewegung aufs Private wurde auch die für jede Revolution notwendige Emanzipation der Frauen mit angeschoben. Doch nicht nur das: In den kurzen Momenten, in denen die politische mit der privaten Emanzipation zusammenkam, erreichte die Bewegung die höchste Faszination und die größte Durchschlagkraft. Jedoch wurden die Forderungen und die Kritik der Frauen von der allgemeinen Bewegung brüsk abgelehnt, und damit das Ende der Revolte eingeläutet.

Diese Entwicklung der deutschen Studentenbewegung soll von der Subversiven Aktion bis zum Beginn der zweiten deutschen Frauenbewegung nachgezeichnet werden.

http://magazinredaktion.tk/orgasmus.php

• Besetztes Institut für Sozialwissenschaft • Universitätsstr. 3b • Donnerstag, 09.02.2017 • 20:00

VERLEGT – NEUER TERMIN: 09.02. 20 Uhr

VA 03.02. 16 Uhr: Außenposten der Festung Europa. Perspektiven aus Melilla Vortrag und Diskussion

Am kommenden 6. Februar jährt sich zum dritten Mal der Tod von fünfzehn Menschen, die schwimmend die spanische Enklave Ceuta und somit die EU erreichen wollten. Damals schoss die spanische Grenzpolizei mit Gummigeschossen und Tränengas auf die Schwimmenden und zeigte so auf besonders brutale Weise die  menschenverachtende Gewalt des europäischen Grenzregimes. Der Referent hat 2015 und 2016 in Melilla, der anderen spanischen Enklave, gelebt und berichtet von seinen Erfahrungen in Bezug auf die Funktion als Außenposten der Festung Europa. Dabei werden diese in einen weiteren Kontext eingebettet, ohne die Situation in der kleinen Mittelmeerstadt – und was es bedeutet, dort zu leben – aus dem Fokus zu verlieren.

VA 02.02. 18 Uhr: Mieten runter – Löhne und Gehälter rauf – oder was Zwangsräumungen mit dem Niedriglohnsektor zu tun haben

mit Peter Nowak (Journalist) und Matthias Coers (Filmemacher)

„Vom Niedriglohnsektor zur Zwangsräumung“, Videovortrag mit Mathias Coers (http://mietrebellen.de/) und Peter Nowak (http://peter-nowak-journalist.de/)

Berichte, Videos, Bilder, Lesung zu aktuellen Wohn- und sozialen Kämpfen mit dem Autoren und Journalisten Peter Nowak (Buchveröffentlichung „Ein Streik steht wenn mensch ihn selber macht“) und dem Filmemacher und Soziologen Matthias Coers (Dokfilm „Mietrebellen“).  Der Niedriglohnsektor wächst und die Mieten steigen weiter, Mietschulden und Zwangsräumungen sind oftmals die Folgen – wie können die Kämpfe am Arbeitsplatz mit  Selbstorganisationsversuchen von Mieter*innen verbunden werden?  Im Anschluss Diskussion.

Danke für die großartige Demo!

Wir bedanken uns bei allen, die heute mit uns unter dem Motto „Nuriye, Holm, Kalle – wir bleiben alle! Für Uni von unten und Recht auf Stadt!“ auf der Straße waren. Insgesamt waren 1500 Leute auf der Straße (Bilder unten), um für bezahlbare Mieten, eine demokratische Hochschule und die Wiedereinstellung Anderj Holms (ganze Liste der Foderungen hier) an der HU zu protestieren! Wir haben ein starkes Zeichen gesetzt und den Forderungen unserer Besetzung & ihren Unterstützer*innen so nocheinmal Nachdruck verliehen. Wir freuen uns auf die nächsten Tage, wie immer mit spanndenem Programm!

Danke für all die Unterstützung von (Liste unvollständig):

Uni von Unten
Kotti & Co
Mieter_innen der Otto-Suhr Siedlung
Stadt von Unten
Interventionistische Linke Berlin
Zwangsräumung Verhindern
SDS HU Berlin
Studis gegen hohe Mieten
100% Tempelhofer Feld
Volksentscheid Retten
Bündnis gegen Rassismus
Berliner Aktion gegen Arbeitgeberunrecht
Pankower Mieterprotest
Bizim Kiez
La:iz
FSI OSI

Ausstellung: „Lost in Gentrification“

Eine Gruppe von Studis, die sich „Gegenkunst“ nennt hat eine Ausstellung zum Thema Gentrifizierung auf die Beine gestellt. Kommt vorbei!

Hier Bilder und der Ausstellungstext:

Seit einigen Jahren ist das Thema Gentrifizierung in der Öffentlichkeit Berlins angekommen. Dieser Begriff, der im deutschen Raum stark durch Andrej Holm geprägt wurde, ist inzwischen zu einer Art Signalwort geworden. Egal ob in Zeitungsartikeln, in der Kneipe oder im Wohnhaus – alle wissen was gemeint ist. Aber wissen sie das wirklich? Wer ist eigentlich Schuld? Die Schwaben? Die Studierenden? Die Yuppies? Oder doch eher das Café mit Barista und Latte-Art, dieser neue Bio-Laden oder die Kunstgalerie, in der andauernd dieser Typ mit dem Macbook sitzt? Und in welchem Verhältnis stehen in Berlin eigentlich Investor*innen und Politiker*innen?
Die Ausstellung soll euch selbst anhand von sieben Stationen in diesem Komplex con Gentrifizierungsprozessen verorten und euch ermutigen, zu diskutieren wie Struktur- und Akteur*innenperspektiven zusammengebracht werden können. Viel Spaß!

Überblick Stationen:
1) Gentrimap (Beamer)
2) Raucherinsel Installation „Lost in Gentrification“
3) „Wo wohnst du?“
4) Vergleich Angebotsmiete 2007 und 2016 Berlin
5) „Recht auf Stadt“
6) „So wirst auch du deine Mieter*innen los!“
7) Mietsteigerung Berlin

Demoroute für morgen 28.01. 13 Uhr Rosa-Luxemburg-Platz

Morgen 13 Uhr Rosa-Luxemburg-Platz!
Tomorrow 13 o’clock Rosa-Luxemburg-Platz!
Demain a 13 heurs en Rosa-Luxemburg-Platz!
Mañana a las 13 en Rosa-Luxemburg-Platz!

German version here.
Turkish version here.
Spanish version here.
Greek version here.
French version here.
English version here.

Link zum Flyer: flyer_v2
Link zum Poster 1: plakat_a2
Link zum Poster 2: plakat_a3

VA 27.01. 20 Uhr: Filmscreening „Miete essen Seele auf“ (Kotti & Co.)

Die Mietergemeinschaft Kotti & Co besetzte im Mai 2012 einen öffentlichen Platz in Berlin Kreuzberg und errichtete über Nacht ein Protesthaus. Verbunden mit umfangreichen Protestaktionen entwickelte sich die Initiative zu einem der zentralen Verhandlungsorte einer sozialen
Stadtentwicklungspolitik.

In der Nacht des 26. Mai 2012 zimmerten einige Bewohner der
Sozialwohnungen am Kottbusser Tor, mehrheitlich türkischstämmige Nachbarn, aus Europaletten ein Protesthaus zusammen. Sie nannten es „Gecekondu”, aus dem Türkischen übersetzt heißt das „über Nacht erbaut”. Mit dieser Besetzung eines öffentlichen Platzes im Zentrum von Kreuzberg begann die Mieterinitiative Kotti & Co einen bis heute täglich sichtbaren Widerstand und setzte das Thema des sozialen Wohnungsbaus und die massive Verdrängung von langjährigen Bewohnern aus der Innenstadt auf die politische Agenda.

Menschen mit sehr verschiedenen Biografien und politisch  unterschiedlichen Ansichten begannen miteinander zu reden und ihre Geschichten zu teilen. Die Abgrenzungen und Vorurteile wichen einer positiven Verunsicherung, aus Nachbarschaft entstand Freundschaft.

„Miete essen Seele auf” dokumentiert zwei Jahre nachbarschaftlicher
Organisierung und Protest am südlichen Kottbusser Tor gegen die jährlich
erhobenen Mieterhöhungen und die damit verbundene Gefahr der Zwangsräumung. Die Initiative fordert Mietobergrenzen sowie die Rückführung der Sozialwohnungen in städtisches Eigentum. Die Dokumentation verknüpft dabei die Wohnungsfrage mit der Geschichte der Migration und betont eine Verbindung von Rassismus und urbaner Verdrängung.