Offener Brief der Nutzer*innen des selbstverwalteten Raums 004 im Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin

Sehr geehrte Stadtbewohner*innen, Stadtteilinitiativen, Nutzer*innen von selbstverwalteten Strukturen, Journalist*innen und wissenschaftspolitische Sprecher*innen,

liebe Studierende, liebe Instituts- und Hochschulangestellte,

am 10.02.17 wurde eine der zentralen Forderungen unseres Protests erfüllt: Andrej Holm bleibt Dozierender an der HU. Wir müssen jedoch ausdrücklich betonen, dass unsere weiteren Forderungen weit davon entfernt sind, Erfüllung zu finden. Aus diesem Grund ist unser Protest, der sich als stadt- und hochschulpolitisch versteht, noch längst nicht vorbei. Von Beginn an fordern wir einen Raum zur studentischen Selbstorganisierung und emanzipatorischen Vernetzung auf dem Campus Mitte der HU. Wir möchten hiermit noch einmal ausführen, was damit gemeint ist.

Seit bald fünf Wochen nun organisieren wir uns in basisdemokratischer Form selbst. Die Menschen, die sich bislang zusammengefunden haben, sind nicht damit einverstanden, dass politische Entscheidungen alleine von Hochschulleitungen und Regierungen über die Köpfe der Betroffenen hinweg getroffen werden. Deshalb haben wir uns einen Raum angeeignet, der die Möglichkeit zur Selbstorganisation und Basisdemokratie bietet, der also das Gegenteil von dem ermöglicht, was wir kritisieren.

Ob hochschul- oder stadtpolitische Gruppen, ob verdrängte Mieter*innen oder prekarisierte Mitarbeiter*innen der Hochschulen: sie alle brauchen Räumlichkeiten, um die nächste Aktion für ein Recht auf Stadt und eine Uni von unten zu planen. Dieses Verständnis von Demokratie findet nicht in Parlamentssälen und Ministerial- und Senatsräumlichkeiten statt, sondern durch die Selbstorganisierung der politischen Subjekte – nämlich von unten.

Um den Raum als Ort für Vernetzungs-, Gruppen-, und Bündnisplena nutzen zu können muss er dauerhaft sein, über seine Nutzung darf nicht die Uni entscheiden und seine Gestaltung darf keinen Bedingungen von außen unterliegen. Weder der Fachschaftsraum, noch ein studentisches Café eignen sich zu diesem Zweck, da sie weder offen für alle, noch frei von Regularien und Normen der Hochschule sind. Dieser Raum soll dazu dienen, Stadt und Universität wieder zusammenzubringen, die künstliche Trennung zwischen ihnen wieder aufzulösen, um die Entstehung von kritischer Bildung und Bewegung zu fördern und gewährleisten. In ihm soll nicht nur überlegt werden, was an den aktuellen Zuständen geändert werden muss, sondern wie man diese Überlegungen aktiv umsetzt. Kurz gesagt: Wir wollen Theorie praktisch werden lassen.

Für dieses Bestreben ist auch die Lage des Raums nicht unwesentlich. Recht auf Zentralität und Recht auf Differenz sind wesentliche Bestandteile des Rechts auf Stadt. Der Bezirk Mitte gehört zu den am stärksten von Gentrifizierung betroffenen, in deren Folge viele Mieter*innen verdängt wurden. Der Raum trägt nach Mitte wieder das, was es hier kaum noch gibt: einen Raum, in dem Menschen nicht konsumieren müssen um sich dort aufzuhalten und mitzuentscheiden, sondern in dem ein solidarisches Miteinander als Voraussetzung praktiziert wird. Nicht nur eine Uni von unten kann hier fortgeführt werden, sondern auch Initiativen aus ganz Berlin können hier gemeinsam an einer Stadt von unten arbeiten. Wir wollen einen Raum inmitten des städtischen und universitären Alltagsbetriebs, der für alle, die sich kritisch mit diesem auseinandersetzen und Solidarität praktisch werden lassen wollen, ohne großen Aufwand zugänglich ist.

Deshalb rufen wir, die Nutzer*innen des selbstverwalteten Raums, sämtliche Personen, Gruppen und Institutionen dazu auf, die selbstverwaltete Struktur im Raum 004 des Instituts für Sozialwissenschaften anzuerkennen und mit allen Mitteln einer Räumung entgegenzuwirken, um somit dem grunddemokratischen Ziel der gesamtgesellschaftlichen Emanzipation nicht im Wege zu stehen!

Mit den besten Grüßen

die Nutzer*innen des selbstverwalteten Raums im Institut für Sozialwissenschaften der HU

Die Forderungen der Besetzerin*innen des ISW

Andrej Holm ist wieder am ISW und unser Protest hat gerade erst begonnen. Was wir in den letzten Wochen erarbeitet haben, geht über den Ursprung unseres Protestes hinaus. Hat seine Entlassung ein Moment des Erkennens gegebener Missstände ermöglicht, besetzen wir das ISW heute nicht mehr für einen Dozenten.

Wir fordern dauerhaft Rahmenbedingungen für kritische Lehre und bessere Studien- und Arbeitsbedingungen aller Studierenden und Hochschulbeschäftigten zu ermöglichen. 

Die „Unternehmerische Hochschule“ –  8% Kürzungen der finanziellen Mittel – und die liberale Fiktion einer freien Wahl setzt Studenten und Hochschulbeschäftigten gleichzeitig steigenden Sachzwängen und enormen Leistungsdruck aus. 

Die Besetzung ist unser gewähltes politisches Mittel, um den autoritären Charakter der Universität zu bekämpfen, ein Recht auf Stadt und die Teilnahme an universitären Entscheidungen einzufordern. 

Stadtpolitische und universitäre Entwicklungen  dürfen nicht unter Ausschluss der Studierenden und Dozenten*innen stattfinden!

 

@Berliner Senat         

  • Wir fordern vom Berliner Senat eine Erhöhung der öffentlichen Grundfinanzierung der Berliner Hochschulen durch das Land Berlin und die Abschaffung des „leistungsbasierten Hochschulfinanzierungssystems“ gem. §1 der Berliner Hochschulverträge!          
  • Wir fordern zudem die Verringerung der Abhängigkeit der Berliner Hochschulen von öffentlichen und privaten Drittmitteln!
  • Wir fordern den Berliner Senat dazu auf, sich im Bundesrat für eine kontinuierliche Anpassung des BAföG-Satzes an die realen Lebenshaltungskosten von Studierenden und die Entkopplung des Bafög von der Regelstudienzeit einzusetzen!
  • Wir fordern vom Berliner Senat, Leerstand zu enteignen und sozialen Wohnungsbau zu  (re-)kommunalisieren!
  • Wir fordern zudem, eine Mietobergrenze für sozialen Wohnungsbau von max. 5,00 €/qm einzuführen!

 

@Berliner Senat & Präsidentin der HU & Akademischer Senat 

  • Wir fordern die viertelparitätische Besetzung aller universitärer Gremien der HU. Student*innen, Professor*innen, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen sowie Mitarbeiter*innen in Technik, Service und Verwaltung sollen in allen Gremien über die gleiche Anzahl an Stimmen verfügen. Allen Stimmen soll das gleiche Gewicht zukommen! 1    
  • Zudem fordern wir die Abschaffung der im Berliner Hochschulgesetz verankerten Kuratorien an der HU!  

 

@Präsidentin der HU & Akademischer Senat  

  • Wir fordern Frau Kunst dazu auf, bei den Hochschulvertragsverhandlungen eine Erhöhung des Bildungsetats der HU zu erkämpfen und nicht an der nächsten Runde der Exzellenzinitiative teilzunehmen. Wir lehnen den vom Präsidium der HU vorgelegten, intransparenten Kürzungsplan in Höhe von 8% entschieden ab!               
  • Wir fordern das Präsidium auf, prekäre Beschäftigungsverhältnisse an der HU zu beenden und Dauerverträge für Daueraufgaben einzurichten!
  • Wir fordern mehr unbefristete Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs an der HU sowie eine Neuordnung der Karrierewege in der Wissenschaft durch die Einführung von wissenschaftlich eigenständigen Dauerpositionen im Mittelbau sowie einen Aufwuchs an Professuren insgesamt!
  • Wir fordern, die Beschäftigungsverhältnisse in Forschung und Lehre an der HU für Menschen aller gesellschaftlichen Gruppen noch stärker als bisher zu öffnen!
  • Wir unterstützen die Forderungen der Tarifverhandlungen der studentischen Beschäftigten (TVSTUD) und fordern die Leitung der HU auf, diese umzusetzen!
  • Wir fordern die Wiedereinführung des „Studium Generale“ in allen Fächern an der HU, das eine modulunabhängige Anerkennung von in anderen Fächern erbrachten Studienleistungen ermöglichen soll! 
  • Wir fordern von der Universitätsleitung die langfristige Bereitstellung eines selbstverwalteten Wohnheims für Studierende an der HU in Campusnähe oder an einem anderen zentral gelegenen Ort der Stadt!
  • Wir fordern die Präsidentin und den akademischen Senat der HU auf, das Konzept der Gleichstellung auf B_PoCs und nicht-cis Menschen auszuweiten und gemäß §58 („Frauenbeauftragte“) zusätzliche Beauftragte für die jeweiligen Statusgruppen in das BerlHG aufzunehmen.

 

@Leitung des ISW

  • Wir fordern die dauerhafte Übergabe von barrierefreien Räumen des Instituts für Sozialwissenschaften an die Initiative „Uni von unten“ zur studentischen Selbstorganisierung und zur emanzipatorischen Vernetzung von studentischen und außeruniversitären Bewegungen in Berlin!  
  • Wir fordern die Leitung des ISW auf, sich aktiv für die Dekolonialisierung der sozialwissenschaftlichen Forschung und Lehre einzusetzen und postkoloniale Inhalte und Methoden stärker einzubeziehen!
  • Für die Dauer von Andrej Holms Beurlaubung fordern wir die vollständige Vertretung seiner Lehraufgaben am Lehrbereich für Stadt- und Regionalsoziologie à 8 SWS!Wir fordern die Professor*innen des Institutsrats des ISW dazu auf, der beantragten Beschäftigungsverlängerung von Dr. Larissa Klinzing zuzustimmen!

     

     

@Mitmenschen

  • Wir rufen euch, unsere Mitmenschen, dazu auf, euch an der Gestaltung unseres Raumes zu beteiligen und/oder euch eigene Räume der Selbstorganisation anzueignen!Wir rufen unsere Kommiliton*innen sowie die Angestellten des Instituts für Sozialwissenschaften und der Humboldt-Universität zu Berlin auf, sich unserem politischen Protest anzuschließen. Wir alle sind diese Uni. Wir alle sind diese Stadt!Wir rufen die Mieter*inneninitiativen auf, weiterhin gemeinsam mit uns den stadtpolitischen Kampf gegen Gentrifizierung und für ein Recht auf Stadt auszutragen!        

 

  • Wir rufen euch dazu auf, euch gegen die autoritäre und neoliberale Bau-, Mieten, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik dieser Stadt zu wehren!          

 

 

 

 

Anmerkungen 1 Wir fordern dementsprechend eine Überarbeitung des Berliner Landeshochschulgesetzes, des Hochschulrahmengesetzes des Bundes und eine Neubewertung des Bundesverfassungsgerichtsurteils vom 29. Mai 1973.

Erfolgreiche Besetzung des ISW beendet – Protest geht weiter: ISW war nur der Anfang!

Am heutigen Donnerstag erklärten die Besetzer*innen des ISW, den Kampf für eine andere Hochschule und eine gerechte Stadtpolitik fortzusetzen, wenn auch nicht in Form der Besetzung des Instituts. Ein Raum bleibt dauerhaft unter studentischer Verwaltung.


In vier Wochen Besetzung haben wir nicht nur erkämpft, dass Andrej Holm an der HU verbleibt. Wir haben vor allem einen Raum der Politisierung und Vernetzung geschaffen. Wir haben damit der Bewegung für eine gerechtere Stadt und eine bessere Hochschule einen starken und nachhaltigen Impuls verliehen. Die Besetzung des ISW war nur der Anfang. Wir machen weiter!“, erklärte eine Besetzerin.

Auf einer Pressekonferenz stellten die Besetzer*innen einen neuen Forderungskatalog vor. Darin wird u.a. die Rekommunalisierung von sozialem Wohnraum und Abschaffung des „leistungsbasierten Hochschulfinanzierungssystems“ für die Berliner Hochschulen gefordert. „Der Forderungskatalog wurde in einem einmonatigem Dialog erarbeitet und leistet einen wichtigen Beitrag zur hochschul- und stadtpolitischen Debatte. Doch er wird nicht ein Stück Papier bleiben. Wir werden aktiv dafür kämpfen, dass er Realität wird!“, sagte eine Besetzerin. Die Forderungen richten sich jeweils an Berliner Senat, Präsidentin sowie Akademischen Senat der HU Berlin, die Leitung des ISW sowie Mitmenschen im Allgemeinen. 

Die Besetzung des Instituts erfuhr eine äußerst breite Solidarität. So formulierten die gesamte studentische Selbstverwaltung der Humboldt-Universität sowie die ASten aller Berliner Universitäten ihre Unterstützung. Zahlreiche Menschen, darunter Aktivist*innen, Professor*innen und Dozent*innen, bereicherten das Programm der „Uni von Unten“ mit Vorträgen und Workshops. Stadtpolitische Initiativen waren von Beginn Teil der Besetzung durch Beiträge zu Programm und der gemeinsamen Organisation der großen Demonstration Ende Januar. „Wir danken allen Initiativen, Organisationen und Personen, die unseren Protest und unsere Besetzung unterstützt haben. Ohne die große Unterstützung wäre all das nicht möglich gewesen!“

Während die Besetzung des Instituts beendet wird, wird ein Raum dauerhaft umgenutzt und unter studentische Verwaltung gestellt. Eine Besetzerin erklärt dazu: „Eine unserer Forderungen war von Beginn der Besetzung an ein dauerhafter Raum zur studentischen Selbstorganisierung und emanzipatorischen Vernetzung. Diese Forderung erfüllen wir heute selber. Raum 004 des Instituts für Sozialwissenschaften wird von uns verwaltet und für emanzipatorische Initiativen und Menschen geöffnet, egal ob Studierende oder nicht.“

Mit der gleichen kämpferisch-guten Laune und der gleichen Entschlossenheit, mit der wir uns in den letzten vier Wochen diesen Raum angeeignet haben, verlassen wir ihn wieder. Wir werden für eine Weile unsichtbar. Doch mit der gleichen Entschlossenheit werden wir wieder auftauchen. Man wird von uns hören!“, schließt eine Besetzerin.

PM: Präsidium der Humboldt-Universität und Institutsleitung bauen Druck auf dem Rücken der Studierenden auf

Präsidium der Humboldt-Universität und Institutsleitung bauen Druck auf dem Rücken der Studierenden auf

Die Besetzer*innen des Instituts für Sozialwissenschaften bedauern außerordentlich die Entscheidung der Universitätsleitung, ihr Angebot auszuschlagen; bereits seit der Vollversammlung am 6.2. sollte ein Großteil der Seminarräume im besetzten Gebäude zur Verfügung gestellt werden, damit Lehrveranstaltungen wieder stattfinden können. Zunächst erfolgte trotz der angeblichen „Unzumutbarkeit der aktuellen Situation“ keine Reaktion von Seiten des Dekanats oder der Institutsleitung.

Eine Besetzerin erklärt dazu: „Unser Angebot an die Institutsleitung war ein Akt der Solidarität mit unseren Kommiliton*innen. Viele studieren unter prekarisierten Bedingungen und können Prüfungen, zum Beispiel aufgrund von BAfÖG-Rahmenbedingungen, nicht einfach aufschieben. Mit der gestrigen Ablehnung unseres Angebots und seiner Verhandlungsunwilligkeit nimmt das Institut nun den Ausfall von Kursen in Kauf. Diese Entscheidung geht zu Lasten der Studierenden und wird von uns aufs Schärfste missbilligt.“

In einem Gespräch zwischen den Besetzer*innen und der Präsidentin der HU sowie weiteren Beteiligten wurde die Position der Präsidentin deutlich.

Dazu eine Sprecherin: „Eine Politisierung und Öffnung des universitären Raums ist nicht erwünscht und soll verhindert werden. So wurden Plakate an den Wänden der besetzten Räume als „unzumutbares Hindernis für Lehrveranstaltungen“ dargestellt. Das ist natürlich Quatsch. Die Präsidentin baut nun Druck auf, indem sie unverhohlen von der „Aufhebung der Duldung“ spricht und mit Konsequenzen droht. Aber: Wir lassen uns nicht einschüchtern!“

Die Besetzer*innen stehen mit ihrem Protest nicht allein. Eine Veranstaltung zur Vernetzung mit verschiedenen Mieter*innen- und Stadtinitiativen am Dienstag erfuhr großen Zulauf und die Solidarisierung der verschiedenen Initiativen mit dem Protest zeigt, dass er viele Menschen aus allen Bereichen der Stadtgesellschaft einschließt.

Abschließend erklärt eine Sprecherin: „Die Situation ist zugespitzt, trotzdem laden wir alle Lehrenden dazu ein, in unseren Räumen ihre Veranstaltungen ohne inhaltliche Beeinflussung abzuhalten. Auch alle Studis, die nicht direkt am Protest teilnehmen sind weiterhin eingeladen, an das Institut zu kommen. Auch wenn Präsidium und Institut in einer Trotzhaltung verharren, stellen wir allen Studierenden die Räume im Zeitraum von 8-14 Uhr zum Lernen zur Verfügung. Zusätzlich unterstützen wir sie bei ihren Klausurvorbereitungen durch Lernveranstaltungen, die von anderen Studierenden ausgerichtet und organisiert werden.“

Audio: Diskussion „Eine unlautere Debatte“ – Wolfhard Pröhl und Peter Neuman zur Debatte um Andrej Holm // vom 29.01.2017

Audio: Diskussion „Eine unlautere Debatte“ – Wolfhard Pröhl und Peter Neuman zur Debatte um Andrej Holm // vom 29.01.2017

VA 08.02. 20 Uhr: Gebärdensprache – Ist das Kunst, oder kann die weg?

„Wie das kann man studieren?“
„Gebärdensprache? Wie praktisch, die ist doch international.“
„Mit Gebärdensprache kann man nichts Abstraktes ausdrücken. Es lässt sich nur das Nötigste sagen.“
„Gehörlose können doch alles von den Lippen ablesen.“ „Was studierst du?
Irgendwas mit Toten?“

Diese und einige andere Aussagen hören wir immer wieder, wenn wir erzählen, dass wir Deaf Studies studieren.

In unserem Workshop möchten wir einige dieser Vorurteile aus dem Weg räumen und euch einen kleinen Einblick in die deutsche Gebärdensprache, sowie in die Gehörlosenkultur geben. Wenn du dir also selber schonmal solche, oder andere Fragen zum Thema Gebärdensprache und Gehörlosenkultur gestellt hast, bist du hier genau richtig.

Außerdem möchten wir mit euch dirskutieren welchen Stellenwert die
Gebärdensprache in Hinblick auf den heutigen technischen Stand noch haben sollte.

Soli: Erklärung des Studierendenparlaments der ASH (Wortlaut)

Heute hat das Studierendenparlament der Alice Salomon Hochschule einstimmig folgenden Beschluss gefasst:

Wir solidarisieren uns mit der Besetzung des Instituts für Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität Berlin. Dem Manifest der Besetzer*innen können wir uns nur anschließen. Die aktuellen Entwicklungen gehen weit über die Personalie von Holm hinaus, sondern zielen viel mehr auf die Frage ab, wie eine Stadtentwicklung aussehen soll.
Von den steigenden Mieten in Berlin, Verdrängungsprozessen und dem maßlosen Bauboom von Investor*innen auf Kosten  von ärmeren Bevölkerungsschichten sind auch immer mehr Studierende betroffen.
Wir unterstützen die Initiative der Besetzer*innen als wichtigen Protest für eine soziale Stadt, für bezahlbaren Wohnugsraum und kritische Wissenschaft! Wir als Studierende der Alice Salomon Hochschule stehen für eine kritische Lehre die neoliberale Marktlogiken hinterfragt!

„Wir fordern die Mieter*inneninitiativen auf, gemeinsam mit uns den stadtpolitischen Kampf gegen Gentrifizierung und für ein Recht auf Stadt auszutragen!“
„Wir wollen Selbstorganisation des städtischen Lebensraums durch die Bewohner*innen der Stadt.“
„Wir fordern vom Berliner Senat, Leerstand zu enteignen, sozialen Wohnungsbau zu (re-)kommunalisieren, eine Mietobergrenze für so-zialen Wohnungsbau von max. 5 €/qm einzuführen sowie die juristischen Lücken der Mietpreisbremse zu schließen!“

Kommt zu den Veranstaltungen im besetzen ISW, unterstützt die Besetzer*innen!
#iswbleibt
#holmbleit
#gegendenAusverkaufderStadt

Das Manifest der Besetzer*innen findet ihr hier:
http://iswbesetzt.blogsport.eu/2017/01/24/das-bestzungsmanifest-der-besetzerinnen/


ASTA DER ALICE SALOMON HOCHSCHULE BERLIN
-Öffentlichkeitsreferat
Alice Salomon Platz 5
12627 Berlin

E-Mail: oeffref@ash-berlin.eu
Internet: http://www.asta.asfh-berlin.de/ [1]

Wenn ihr keine weiteren Mails bekommen möchtet, schreibt eine kurze Mail
an: oeffref@ash-berlin.eu. Wir lassen euch dann vom ComZ aus den
Semester-Verteilern der Hochschule löschen.

Links:
——
[1] http://www.asta.asfh-berlin.de/

Meinung: Über die Revolte, oder: Was Trump und Holm eint.

von AK Gesellschaftskritik

Vor vier Tagen, am 20.01.2017, wurde Donald J. Trump, der nach der Veröffentlichung seiner sexistischen Ausfälle bereits als abgeschrieben galt, zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Weltweit gingen Menschen zu Hunderttausenden auf die Straße um ihren Unmut darüber auszudrücken, vereinigt unter der Frage „Wie konnte das bloß geschehen?“ Sofern sie sich die Frage nicht umgehend durch antiamerikanische Ressentiments selbst beantworteten, sondern sich des Vormarschs rechtspopulistischer Bewegungen in Europa, von Orban über die AFD bis zum Front National unter Marine Le Pen in Frankreich, gewahr wurden, haben die Soziologen und Politiker der herrschenden Verhältnisse die Antwort parat: es sind die zu kurz Gekommenen, die Angst vor dem Fremden haben. Jene, die sich nach einem starken Mann sehnen, der alles wieder richtet und fälschlicherweise die verantwortlich machen, die doch am allerwenigsten dafür können: nämlich jene, die noch weniger haben.

So sehr diese Feststellungen auf der Erscheinungsebene stimmen mögen und die entscheidenden Ursachen des offen zu Tage tretenden Rechtsrucks in den westlichen Gesellschaften zumindest ankratzen, als so ungenügend erweisen sie sich, wenn man sich die realpolitischen Konsequenzen, die daraus gezogen werden, anschaut. Während die einen den ewig Rückständigen mit „BUNT statt BRAUN“-Schildern endlich klarmachen wollen, dass der Islam jetzt zu Deutschland gehört und Multi-Kulti der Volkswirtschaft tatsächlich auch zuträglich ist, merken die anderen, dass man da irgendwo jemanden (weiß, männlich, arbeitslos und alkoholabhängig) vergessen habe, der endlich wieder mitgenommen werden muss. Letztendlich also eine Frage mangelnder Aufklärung und sozialpolitischer Makulatur.

So ehrenwert diese Versuche im Einzelnen sein mögen, so sehr zeugen sie von einem Unverständnis von den gesellschaftlichen Verhältnissen, die sich mit der ursprünglichen Akkumulation im 16. Jahrhundert begannen durchzusetzen und in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg in dem kulminierten, was Guy Debords, der Wortführer der Situationistischen Internationale, als die „Gesellschaft des Spektakels“ bezeichnete. So schreibt Anselm Jappe: „According to Marx, money accumulated beyond a certain threshold is transformed into capital; according to Debord, capital accumulated beyond a certain threshold is transformed into images.“ Zu deutsch: „Das Spektakel ist das Kapital, das einen solchen Akkumulationsgrad erreicht, dass es zum Bild wird.“ Der Fetisch kapitalistischer Gesellschaften hat sich potenziert und die ungeheure Warensammlung in einer ungeheuren Sammlung von Bildern aufgehoben. Sie ist dabei jedoch „nicht ein Ganzes von Bildern, sondern ein durch Bilder vermitteltes gesellschaftliches Verhältnis zwischen Personen.“ Hiermit sind also keineswegs bloß die Auswüchse im Pay-TV, der Werbung und den Konsumorgien des Black Fridays gemeint, sondern eine gesellschaftliche Totalität, die alle zwischenmenschlichen Beziehungen in sich einschließt. Die Gesellschaft des Spektakels bezeichnet also ebenso wie die Kulturindustrie bei Theodor W. Adorno und Max Horkheimer nicht eine abgetrennte Sphäre, die es einfach abzuschaffen gelte, um die wahren Beziehungen der Menschen wieder zum Vorschein kommen zu lassen, sondern formt alle zwischenmenschlichen Beziehungen nach ihrem Bilde. „In der Tat ist es der Zirkel von Manipulation und rückwirkendem Bedürfnis, in dem sich die Einheit des Systems immer dichter zusammenschließt.“ Nirgendwo wird dieses „durch Bilder vermittelte gesellschaftliche Verhältnis“ heutzutage deutlicher als in der scheinbar größtmöglichen Unmittelbarkeit zweier Menschen, im Sexualakt, der sich an den Bildern der omnipräsenten Porno-Industrie ausrichtet.

Nimmt man die Gesellschaftsanalysen Adornos und Horkheimers sowie die der Situationistischen Internationale zum Ausgangspunkt, wäre die Frage bezüglich des Wahlsiegs Donald Trumps anders zu stellen. Die Frage, „wie es so weit kommen konnte?“, wäre durch die Frage „was verraten uns diese und ähnliche Ereignisse über die Konstitution der gesellschaftlichen Verhältnisse?“ zu ersetzen. Wie Freud sich über die Hysterie einen Zugang zur menschlichen Psyche und den Auswirkungen der Sexualmoral seiner Zeit auf diese verschaffte, wäre der Zeitkern des andauernden Spektakels vielleicht nur noch über Känguru-Hoden essende C-Promis und den locker room talk eines Donald J. Trumps zu erschließen. Die oberflächlichen Analysen positivistischer Soziologen bezüglich dessen Wahlsieg müssten zugleich in Vermittlung mit einer radikalen Kritik der Gesellschaft des Spektakels gesetzt werden. Die Ware, beziehungsweise der von Debord entwickelte Begriff des Bildes bleiben die Universalkategorie, die gesellschaftliche Totalität konstituiert. Darauf ist gegen Positivismus und Postmoderne zu insistieren.

Guy Debord: „Die durch das Spektakel prinzipiell geforderte Haltung ist diese passive Hinnahme, die es schon durch seine Art, unwiderlegbar zu erscheinen, durch sein Monopol des Scheins, faktisch erwirkt hat.“ Die Aussage Trumps „to make America great again“ trifft damit ein Bedürfnis, das eine Gesellschaft, die ihre Mitglieder zur bloßen Kontemplation und der Akzeptanz der Auswüchse einer zur zweiten Natur gewordenen Gesellschaft zwingt, konstitutiv und in Permanenz hervorbringt. Angesichts der Ohnmacht gegenüber der aufgezwungenen Passivität, die auch durch ein iPhone 17 nicht wett gemacht werden kann, bleibt nur der Ruf nach einem – sich zu einer Art Gottheit stilisierenden – starken Mann, der sich bei Fortbestand der eigenen Passivität um den ganzen Unmut angesichts der eigenen Nichtigkeit kümmert. Kontemplation und der autoritäre Charakter bedingen sich wechselseitig.

Der Grund der sich Alltag nennenden Misere ist dabei immer schon im Fremden gefunden worden. Die zwischenmenschliche Kälte einer Gesellschaft, in der sich „jeder zu wenig geliebt fühlt, weil keiner mehr lieben kann“ (Adorno) macht die Verarbeitung der eigenen Unzufriedenheit in ideologischen Formen des Antisemitismus, Rassismus, Xenophobie, anti-muslimischem Rassismus notwendig, solange der Standpunkt von passiver Hinnahme nicht überwunden wird. So schreibt Guy Debord: Die „Bewegung [der Warenwelt] ist identisch mit der Entfernung der Menschen voneinander und ihrem Gesamtprodukt gegenüber.“ Der Mensch ist von der Gesellschaft, seinem eigenen Leben und seinen Mitmenschen abgetrennt und versucht diese Atomisierung in der elektronischen Konsumwelt zu kompensieren. „Die Vereinzelung begründet die Technik und der technische Prozess vereinzelt rückwirkend. Alle durch das spektakuläre System ausgewählten Güter, vom Auto bis zum Fernsehen sind auch seine Waffen, um beständig die Vereinzelungsbedingungen der „einsamen Masse“ zu verstärken.“ (§28) Diese Vereinzelung scheint mit einem S-Bahn-Waggon voller erwachsener Menschen, die ihre Zeit damit verbringen, drei gleichfarbige Kugeln in eine Reihe oder ihren zukünftigen Sexualpartner in die richtige Richtung zu wischen, eine qualitativ neue Stufe erreicht zu haben. Die Menschen sind vereinzelter denn je. Eine durch das Tauschprinzip gekittete Gesellschaft wird fortlaufend Hass, Ausgrenzung und Mord hervorbringen.

Dies gilt umso mehr für jenen Teil der Menschheit, der unter der fortschreitenden Krise der Überakkumulation aus der Verwertung herausfällt. Die These Debords: „Dort wo die materielle Grundlage noch fehlt, hat die moderne Gesellschaft bereits spektakulär auf die gesellschaftliche Oberfläche jedes Kontinents übergegriffen“, besitzt heute einen anderen Zeitkern. Sie müsste lauten: „Dort wo die materielle Grundlage fortschreitend entzogen wird, bleiben die Menschen in der Form des Spektakels gefangen.“ Während die europäischen Staaten sich militärisch gegen sie absichern, wagen Flüchtlinge in Christiano-Ronaldo-Trikots die tödliche Fahrt über das Mittelmeer. Kindersoldaten tragen Goldketten und hören Snoop Dogg, während sie sich mit billigsten Drogen berauschen. Beide sind auf der Suche nach Erfüllung eines Glücksversprechens, die es für sie niemals geben wird. Selbst die islamistischen Rackets des IS werben mit dem Slogan eines bekannten Sportartikelherstellers, möglichst viele Menschen mit sich in den Tod zu reißen: just do it!

Zwischenmenschliche Solidarität sowie Spontaneität scheint momentan nur als Komplement zu ihrem medial aufgebauschten Gegenteil zu bekommen zu sein. Es braucht Terroranschläge, damit Menschen sich der Kälte der bestehenden Verhältnisse wieder bewusst werden und versuchen, ein Zeichen dagegen zu setzen. Es braucht einen Präsidenten Donald Trump, damit Menschen zu hunderttausenden gegen die Unterdrückung von Frauen auf die Straße gehen. Und – hier schlägt sich der Bogen – es braucht vielleicht die Entlassung eines sehr sympathischen Dozenten, damit Studierende sich der Beschissenheit des Universitätsbetriebs – mit oder ohne ihn – und der Gesellschaft als Ganze bewusst werden. Es bräuchte ein Bewusstsein über die eigene Verstricktheit in Vorgeschichte, die Verdammnis zur passiven Hinnahme von Nicht-Wissen und Ausbeutung, der Trennung von einem wahren Leben und einer solidarischen Gesellschaft, um sich dem Ziel der Situationisten – der „weitesten emanzipierenden Veränderung von der Gesellschaft und dem Leben, in die wir eingeschlossen sind“ – anzunehmen. Wer lediglich altklug feststellt, dass diese Situation keine revolutionäre sei, statt aktiv auf eine solche hinzuarbeiten, macht sich zum Teil der Reaktion.

Das revolutionäre Interesse eines Studierendenprotests wäre die Universität von einer „institutionalisierten Organisation des Unwissens“ in einen Ort zu verwandeln, an dem noch eine ernsthafte Anstrengung unternommen wird das Unwesen der kapitalistischen Gesellschaft – das jeder Studentin auf dem Weg zur Uni in Form von Obdachlosen und Motz-Verkäufern in persona gegenübertritt – zu begreifen. In einen Ort, an dem die Dialektik von Produktivkraft und Produktionsverhältnissen wieder in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit Gesellschaft gestellt wird statt unschuldige Erst-Semester mit der Idiotie eines Niklas Luhmanns oder dem verräterischen Eklektizismus von Jürgen Habermas zu belästigen. Statt Faktoranalysen über das Wahlverhalten oder sonstigen Schwachsinn durchzuführen wäre darüber zu diskutieren wie bei heutigem Stand der Produktivkräfte weiterhin 30.000 Menschen täglich verhungern, ohne dass die Menschen eine andere Gesellschaft auch nur noch denken könnten. Denken hieße Widerstand, Einspruch. Aber wo sollte noch gedacht werden können, wenn nicht an der Universität, wo die Studierenden vom Zwang der Lohnarbeit noch weitestgehend befreit sind? Hans-Jürgen Krahl, einer der Vordenker des SDS in den 60er Jahren formuliert mit folgender Feststellung zugleich ein Programm: „Ohne die organisierte produktive wissenschaftliche Intelligenz [ist] die Bildung eines auf die bürgerliche Gesellschaft insgesamt bezogenen Klassenbewusstseins auch im Industrieproletariat unmöglich.“ Eine solche Bildung kann von keinem Institut, Dozent_innen oder sonst wem eingefordert werden, noch in viertelparitätisch besetzten Gremien durchgesetzt werden, sondern wäre einzig gegen die Universität als bestehende Institution durchzusetzen. Bei der Revolte im Jahr 1968 herrschte darüber ein klares Bewusstsein; der Anspruch der Proteste war kein anderer als mit allem Bestehenden zu brechen. Im Mai 1968 schickten die Situationisten folgende Botschaft an das Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam: „We are conscious of the fact that we are beginning to produce our own history.“

Wie eine Institutsbesetzung, die momentan für die Wiedereinstellung eines Dozenten gerade steht, sich für die folgende Forderung eines Besetzungskomitees einer Pariser Universität – ebenfalls im Mai 1968 – gewinnen ließe – „Besetzung der Fabriken, Alle Macht den Arbeiterräten, Abschaffung der Klassengesellschaft, Nieder mit der spektakulären Warengesellschaft, Abschaffung der Entfremdung, Ende der Universität“ – diese Frage wäre hier zu diskutieren.

Soli: Antwort der Fachschaft auf die Offenen Briefe von Dekanat, Institutsleitung und Präsidentin

Fachschaftsrat Sozialwissenschaften
Universitätsstr. 3b
10117 Berlin

02.02.2017

An:
Frau Prof. Dr. –Ing. Dr. Sabine Kunst,
Frau Prof. Dr. Julia von Blumenthal,
Herrn Prof. Dr. Johannes Giesecke
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Sehr geehrte Frau Prof. Dr.-Ing. Dr. Kunst, sehr geehrte Frau Prof. Dr. von Blumenthal, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Giesecke,

mit Interesse haben wir Ihre Schreiben im Netz gelesen. Wir freuen uns sehr, dass Frau von Blumenthal und Herr Giesecke entgegen früherer Äußerungen z.B. in der Causa Koopmans mittlerweile anerkennen, dass Stellungnahmen im Internet sehr wohl eine legitime Form der hochschulpolitischen Auseinandersetzung sind.

An dieser Stelle möchten wir nochmals betonen, dass wir als Fachschaft das Anliegen der Besetzung unterstützen, und uns auch sehr freuen würden, Herrn Holm wieder am Institut begrüßen zu dürfen. Nach dem Rauswurf von Ina Kerner und der Verunglimpfung ihrer Arbeit als „Mode-Wissenschaft“ möchten wir nicht zusehen, wie noch eine beliebte kritische Lehrperson das Institut verlassen muss.

Darüber hinaus ist es erfreulich, dass Sie mit dem Vorrechnen, wie viele Veranstaltungen durch die Besetzung diese und nächste Woche ausfallen werden zeigen, dass Sie sich mit dem legitimen Protest in Ihrem Institut noch für eine weitere Woche abfinden werden. Das ist ein wichtiges Zeichen der Deeskalation.

Überhaupt freut uns, wie geduldig Sie gegenüber der Besetzung sind. Dass die technische Abteilung beispielsweise ihre Meinung bezüglich der absoluten Unmöglichkeit des Anbringens von Protestbannern an der Institutsfassade geändert hat. Wir finden es sehr angenehm, dass es nun jede Menge offizielle Stellen zum Anbringen von Protestbannern gibt.

Angesichts all dieser Zeichen des guten Willens auf Ihrer Seite überrascht uns Ihre Behauptung, dass die Besetzung rechtswidrig sei, umso mehr. Die einzige Stimme, die bisher öffentlich die sonderbare Behauptung vertritt, dass der Aufenthalt von Studierenden in einer Universität zur Teilnahme an einer studentischen Vollversammlung ein Rechtsbruch sei, ist die Fraktion der AfD im Berliner Abgeordnetenhaus.

Darüber hinaus schreiben Sie, dass die Belastung durch die Besetzung und auch der Unmut über die Situation für die Lehrenden am Institut und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, immergrößer werde. In diesem Zusammenhang möchten wir darauf hinweisen, dass genau das das Zieleiner Besetzung ist. Hätte sie keine Wirkung, wäre sie sinnlos.

Außerdem wird das Anliegen der Besetzung von weiten Teilen der Studierendenschaft, die sich nicht rund um die Uhr in einen hochschulpolitischen Kampf einbringen kann, geteilt, und die willkürliche Entlassung Andrej Holms verurteilt. Alle hochschulweiten Studentischen Vertretungen haben sich mit der Besetzung solidarisiert.

Nur um mal deutlich zu machen, was das bedeutet: Der ReferentInnenrat, das Studierendenparlament, die Fachschaftsräte- und Initiativen-Versammlung, die Studentische Vollversammlung und unzählige Fachschaften haben sich solidarisiert. Darüber hinaus haben sich der AStA FU, der AStA TU, der AStA der UdK und die Landes-Asten-Konferenz solidarisiert. Eine derartige Einigkeit der studentischen Gremien dürfte Seltenheitswert haben. Bitte schauen Sie auch ins Institut: Wann haben Sie es zum letzten Mal geschafft, dass sich 150 Studierende 24/7 für die Lehre an ihrem Institut engagieren?

Darüber hinaus erfährt die Besetzung entgegen Ihrer Behauptungen durchaus Zuspruch von Dozierenden, wie Sie dem Programm der „Uni von Unten“ entnehmen können. An dieser Stelle möchten wir allen Dozierenden, die mit der Besetzung solidarisch sind, danken. Besonders hervorzuheben ist dabei eure Mühe, Veranstaltungen aus den Grundlagenmodulen stattfinden zu lassen.

Das Verhandlungsangebot von Herrn Giesecke und Frau von Blumenthal empfinden wir hingegen als nicht besonders attraktiv. Die Fortführung des sogenannten Institutstages haben Sie schon 2015 versprochen und bis jetzt (2017) nicht eingehalten. Warum sollte das nach der Besetzung anders sein? Falls wir das missverstanden haben, wären wir und andere sicher an einer Konkretisierung ihres Vorschlags interessiert, insbesondere an Informationen darüber, welche Personalstellen und Finanzmittel Sie einzusetzen gedenken.

Um eine Verhandlungsgrundlage zu schaffen, ist es aus unserer Sicht erforderlich, dass sich Frau Kunst ernsthaft mit den Forderungen der Besetzenden auseinandersetzt und nicht nur scheinbar auf diese eingeht. Auch wenn wir nicht für die Besetzung sprechen können, ein gut gemeinter Tipp: Legen Sie nochmal mindestens fünf Tutorien mehr drauf, und streichen das Wort „einmalig“. Konkretisieren Sie, wie das mit der versprochenen studentischen Mitbestimmung beim Vergabeprozess aussehen soll. Wenn Sie dann noch ein ausreichend großes, sich in akzeptabler Lage befindendes, selbstverwaltetes studentisches Café für die „Uni von Unten“ drauflegen, könnte es vielleicht was mit einem Happy-End werden.

Mit freundlichen Grüßen

Der Fachschaftsrat Sozialwissenschaften

PS: Über Ihren kleinen Witz mit dem „Abrücken und dann verhandeln“ haben wir herzlich gelacht.

Als pdf hier.

VA 02.02. 20 Uhr: Marcuse-Lesekreis

In seinem Buch „Triebstruktur und Gesellschaft“ arbeitet Herbert Marcuse
auf eine Philosophie und kritische Theorie des menschlichen Zusammenlebens hin, indem er ihm zufolge unerkannte Potentiale des Freudschen Denkens aufzeigt. Dabei stellt Marcuse Freuds Denken als wesentlich zwiespältig dar. Freuds Konstruktion zufolge basiert das menschliche Zusammenleben auf der Unterdrückung von Trieben, die auf Befriedigung und Glück zielen. Die Konstruktion ermögliche insofern Einsichten in die Verursachung von Leid durch die bestehende Gesellschaft, in die Verfestigung von repressiven Institutionen, zugleich aber auch in Kräfte, welche über diese hinausweisen. Dabei sei jedoch Freud nicht nur von der zeitlosen Notwendigkeit dieser Unterdrückungen für jede nur denkbare Gesellschaft überzeugt, sondern baue diese Überzeugung in einer Weise in seine Grundbegriffe ein, durch welche die vollständige Realisierung der kritischen Potentiale seines eigenen Denkens verhindert werde. Marcuse setzt sich die Aufgabe, diese Zwiespältigkeit zu beleuchten und die kritischen Potentiale, die von Freud selbst teils überdeckt werden, wieder freizuschaufeln.

Im Lesekreis wollen wir diesen Versuch kritisch prüfen und uns fragen,
inwiefern er für das Verständnis der heutigen Situation fruchtbar gemacht
werden kann. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, am Kreis
teilzunehmen.

02.02. 20 Uhr im Untergeschoss von #iswbesetzt