Erlebnisbericht zur Intervention im „Sophie Charlotte“

Folgende Eindrücke der Störung beim letzten Salon Sophie Charlotte unter dem Titel „REBELLIONEN, REVOLUTIONEN ODER REFORMEN?“ erreichte uns per Email von einer Aktivist*in:

Es war schon eine paradoxe Situation, eine theoretische Veranstaltung zum Thema Revolution mit Frau Kunst als Schirmherrin trifft die Besetzung des ISW – praktische, gelebte Revolution. Und es mutet merkwürdig an, dass scheinbar niemand mit dieser Aktion gerechnet hat, denn wie berichtet wurde, gab es keinerlei Wachpersonal und die Überraschung war augenscheinlich groß. Mancher Leute Blick war so vernebelt von Eleganz und elitärem Gehabe, dass man die solidarischen Studis anfangs sogar für einen Teil des Programms hielt – so wurde uns von einem älteren Herrn berichtet, der eine vorbeilaufende Aktivistin ganz unbedarft fragte ob sie denn auch zum Programm gehören würde.

Tatsächlich lag diese Frage innerhalb der ersten 30 Sekunden recht nah, bestand der erste Teil des Sprechchors doch aus „Revolution?“ – „Hier!“ und hätte durchaus als freie Interpretation eines Gastbeitrags aufgefasst werden können. Doch was darauf folgte, nämlich „Wer?“ – „Wir!“ und schließlich „Holm?“ – „Bleibt!“ vertrieb diese Idee sehr schnell aus den Köpfen der Anwesenden, und man blickte in ein Mienenspiel, bei dem von verblüfft (Joschka Fischer) über neugierig bis fassungslos (Herfried Münkler) jegliche Gefühlslage vertreten war. Augenzeugenberichten zu Folge kam es nun zur friedlichen Übernahme des Podiums durch die Aktivist*innen, und einer liebevollen Konfettischlacht, die Frau Kunst erstmal dazu bewegte sich ihrem Wasserglas zu widmen. Ob ihr Hals trocken war oder nicht, ganz egal, denn das Mikrofon war zu diesem Zeitpunkt bereits in den Händen der Aktivist*innen, die – gut vorbereitet, wie sie nunmal waren – eine Rede vorbereitet hatten, die sie an Stelle der Eröffnung durch Frau Kunst vortragen wollten. An dieser Stelle kurzen Dank an die Menschen von Kulturradio, die einen eigenen Infostand unter dem Motto „Die Kunst zu hören“ aufgebaut hatten – Großartiges Wortspiel! Denn Frau Kunst war definitiv nicht zu hören. Stattdessen folgte der erste Teil der Rede, ohne nennenswerte Gegenrede, von standardmäßigen Buhrufen mal abgesehen, doch dann wurde das Mikrofon ausgeschaltet. Die Gegenrede wurde lauter, man hörte Rufe wie „Holm interessiert uns nicht!“ und ganz elitär geschriene Gefühlsbekundigungen wie „Ihr nervt!“, doch die engagierten Aktivist*innen hatten mitgedacht und ein Megafon dabei. Trotzdem litt die Verständlichkeit der Redner*innen darunter und der zweite Teil der Rede ging ein wenig unter. Klopapier und Konfetti wurde trotzdem weiterhin geworfen. Die anschließende Resonanz lässt sich leicht zusammenfassen: weitere Buhrufe, Gesichter voller Fragezeichen und tatsächlich vereinzelter Applaus.

Dass das elitäre Publikum von praktischer Revolution, und damit verbundenem Aktionismus, der sich eben gerade auf das Stören derartiger Veranstaltungen von besagten Eliten bezieht, nicht allzu viel hält, äußerte sich in folgender Frage, von welcher die Aktivist*innen berichteten: „Könnt ihr Revolutionäre hinterher auch aufräumen?“. Könnten wir, liebe Fragesteller*in, aber wir sind zu sehr damit beschäftigt, mit euch aufzuräumen.

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